Angepinnt Bestellung aus Drittländern in Übersee (Nordamerika, China, Albanisch-Samoa oder sonstwo)

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  • Bestellung aus Drittländern in Übersee (Nordamerika, China, Albanisch-Samoa oder sonstwo)

    Die TPD2-Regulierung bringt mit sich, dass leider die Hardware erst nach einem halben Jahr in den meisten EU-Ländern verkauft werden darf.

    Dummerweise "launchen" die Chinesen mit Hilfe einiger YouTuber ihre Produkte wie Teufel komm raus und viele (auch meine Wenigkeit) bestellen dann eben dort.
    Die Ware mag oft mehr oder weniger sinnvoll sein, vieles wird unseren Markt wohl auch nie erreichen. Aber OK.

    Das mag moralisch verwerflich sein (Offliner gehen dann leer aus, müssen die Ware mehrere Monate im Keller stehen lassen oder drohender Preisverfall) aber verboten ist es nicht.
    Das nennt man Globalisierung. Die wurde in den letzten 20 Jahren eindringlich auch aus Deutschland forciert.

    Das Copycat-Thema schließe ich hier explizit aus !!!

    Die Elektronik (auch für Smartphones, Computer-Equipment / Teile) wird schon seit etlichen Jahren von Chinesen produziert. Das mögen viele nicht wissen oder wahrhaben, ist aber nunmal so. Firmen wie Foxconn (u. A. Hersteller des IPhones) stehen da exemplarisch. Da kräht eigentlich kein Hahn nach. Das ist aber nunmal so.
    So ein 200Watt-Mod ist da praktisch ein Abfallprodukt.

    In China hat man dafür seit 30 Jahren eine sogenannte Sonder-Wirtschaftszone errichtet, in Guangdong, dort liegt Shenzhen. Diese Stadt war in den 80ern ein Fischerdorf von 3000 Einwohnern, mittlerweile hausen dort ca. 13 Millionen Menschen.

    Dazu später mehr.

    Zunächst mal generell: Wer etwas in Ländern wie Russland, USA, Süd- (Ostasien) bestellt muss wissen, dass hier, wenn Probleme auftreten, die Beweislast beim Käufer liegt.
    Den Verkäufern (Händlern) sind die Regelungen in der EU oder sonstwo schnuppe. Deswegen stellt jede Bestellung von dort ein Risiko dar. Jeder muss sich darüber im Klaren sein und sich entsprechend informieren. Zudem gestaltet sich die Kommunikation mit den Händlern oft schwierig.Deutsch geht gar nicht, auch Englisch kann problematisch sein.

    Hier mal eine fiktive Bestellung aus den USA, wie sie laufen könnte. Die könnte auch über andere Länder (außer in China) so laufen.

    Ein Mod aus San Diego, Californien/USA. Der geneigte Interessent hat sich übers Indernedd und YouTube informiert und für einen geregelten Mod aus acrylisiertem Holz mit DNA-Chip, gedacht für 2 Akkus entschieden. Er kugelt und findet seinen dampfenden Teddybär. Kurz geschockt bestellt er das gute Stück, die Kosten: USD 450,--.

    Die Bezahlung erfolgt in den USA zu 90 % über Kreditkarte, Paypal ist äußerst selten. WesternUnion ist nicht zu empfehlen. Überweisung (Swift) für den Normalsterblichen
    zu kompliziert.

    Der Modder versendet über UPS (United Parcel Service) - Das können auch andere Dienstleister sein (USPS, FedEx, auch Airlinecarrier pp.)

    Weil er mit diesem die besten Erfahrungen gemacht hat und zahlt USD 10,-- incl. Versicherung (ist fiktiv) und rechnet USD 15,-- nach "vorne".

    Welche Kosten kommen auf den Dampfer in Deutschland zu ?
    Versandkosten, der Zollsatz bei Dampfartikeln liegt bei 3,7 %, Gebühren je nach Dienstleister, Einfuhrumsatzsteuer 19 %.
    Ab Warenwert incl. Versandkosten EUR 150,-- wird Zoll erhoben, in diesem expliziten Fall immer.

    Grundsätzlich gilt:
    Kaufpreis + Versandkosten bis erstem Verbringungsort in der EU (UK, FR, NL, BE, DE) - Hier: USD 450,- + 15,- = 465,-- USD = Bemessungsgrundlage für den Zoll.
    Umrechnung in Euro: USD 465,-- = EUR 396,18 - Erster Verbringungsort ist in diesem Fall Deutschland.

    Zollsatz liegt bei 3,7 % = 14,65 EUR -> EUR 396,18 + 14,65 = EUR 410,83 - Bemessungsgrundlage für die Einfuhrumsatzsteuer (EUSt)

    Das gute Stück liegt jetzt bei UPS in Frankfurt. UPS übernimmt die Einfuhrabwicklung und übergibt das Kerlchen dem Zoll.
    Der Zoll kontaktiert den Dampfer (Käufer) und möchte, dass er die Rechnung zwecks Kontrolle zum Zoll mitnimmt.

    Dort wird folgendes kontrolliert: Ist die Ware konform mit der Rechnung und den Bestimmungen (CE, TPD2 und überhaupt) ?
    Der Zoll berechnet die EUSt: Bemessungsgrundlage sind EUR 410,83 plus Brokerage-Fee von UPS in Höhe von 25,-- EUR - also

    EUR 410,83 + 78,06 = EUR 488,89 - UPS berechnet seine Kosten in Höhe von EUR 25,-- separat. Also muss er insgesamt EUR 513,89 löhnen.

    In diesem Fall wohnt der Käufer in Frankfurt, UPS hätte auch bis zur Haustür liefern können und hätte dort alles kassiert.
    Der Zoll begutachtet nicht jede Sendung, macht nur Stichproben.

    Die Brokerage-Fee ist die Gebühr für die Abwicklung und verauslagte Kosten, die heißen bei jedem Dienstleister anders.
    Bei UPS heißen sie aber so.

    Und nochmal, die Kosten sind hier rein fiktiv und worst case.

    Und wie sieht das in China aus ? Im Prinzip dasselbe wie oben beschrieben, aaaaaaberrr ....

    Die Chinesen verkaufen an Privatleute weltweit und hier sind ganz andere Mengen im Spiel, auch die Bestellwerte liegen durchschnittlich unter 100,-- EUR.

    Ergo sind sie hier sehr kreativ in der Abwicklung. Viele Versandhändler sind große Konzerne mit Milliardenumsätzen und mehreren tausend Mitarbeitern.
    Die Werbung und die Preisgestaltung ist sehr aggressiv und auf Masse ausgelegt.

    Und die Hersteller geben praktisch stündlich neue Versionen ihrer Geräte heraus. Die Händler und auch die Community forcieren das, auch um das Angebot zu erhöhen und so die Preise so niedrig wie möglich zu halten.

    Die alten Dampfer haben dies immer kritisiert, denn nach ihrer Auffassung soll Dampfen gewissermaßen elitär und exklusiv nur für sie sein.
    Massenprodukte aus China für den "Pöbel" lehnen sie definitiv ab. Die Community ist gespalten. Kann man hier auch öfters lesen.

    Für die Chinesen ist es eben ein Business wie jedes andere auch. Es ist nunmal so und nicht zu ändern. Dazu kann man stehen wie man will.

    Wie läuft nun die Abwicklung ?

    Jeder chinesische Händler hat seine eigene "Philosophie" - im Großen und Ganzen gilt:

    Der Wert der Ware wird mit 20 Euro angegeben, es stehen (mittlerweile) electronic parts oder sample auf der Rechnung. Früher waren es gifts (Geschenke)
    Man kann für einen kleinen Wert eine sogenannte Priority Line, Germany Express oder Europe Express dazubuchen.
    Sie wechseln jährlich ihre Dienstleister und auch das Prozedere.

    Man bestellt einen Verdampfer für USD 27,99 und bucht Priority Line für USD 1,25 hinzu. Was auch zu empfehlen ist, um eine gewisse Kontrolle (Tracking) zu bekommen.
    Aber auch die ist sehr ungenau, um es vornehm auszudrücken, ständig F5 zu drücken und zu jammern kostet nur Energie.
    Abwarten heißt hier das Zauberwort.

    Nach dem Bestellvorgang und den Versandformalitäten klickt man dann den Bezahlvorgang an, zu empfehlen ist hier zwingend wegen dem Käuferschutz PayPal.
    Hat sich bewährt, allen Unkenrufen zum Trotz. Alles andere ist suboptimal.

    Anschließend erhält man vom Händler eine Mail mit den Daten. Dann öffnet sich ein Fenster von Paypal und man zahlt den umgerechneten Preis, im obigen Fall
    USD 27,99 + USD 1,25 = USD 29,24. Macht in Euro 24,91.

    Eine Bestätigungsmail von Paypal folgt und die Abbuchung vom Konto erfolgt 2 Tage später.

    Nach 2 Tagen kommt dann eine Mail vom Händler mit den Daten und der Shipping-Reference-Number des Dienstleisters.
    Die Tracking-Portale wie Faryaa oder 17Track oder andere funktionieren leider selten, am besten man schaut mal bei der Seite des deutschen Dienstleisters nach.
    Ca. 1 Woche später.

    Der Händler verpackt und übergibt die Ware dem chinesischen Dienstleister. Dieser erstellt ein CN22 Dokument mit den Daten wie Warenwert und Warenart.

    Er erfasst die Daten im System und per Dfü dann an den europäischen Dienstleister (Hermes, DPD, DHL, etc. pp). Spätestens dann kann man im Portal von Dingenskirchen
    folgendes sehen: Die Sendung wurde Dingenskirchen angekündigt und wird vom Versender für den Versand vorbereitet.

    Das Paket kommt irgendwann via Aircraft in UK an (erster Verbringungsort in der EU) - dort werden dieses und andere nach Destinationen sortiert und weiterverladen.

    Auf dem Portal sieht man dann das: Die Sendung ist bisher nicht am Höpplepöpp Verteilzentrum Irgendwo in DE eingetroffen.

    Das heißt im Klartext: Das Paket wird der Zoll in Deutschland nie zu Gesicht bekommen, zumindest wenn man Priority Line oder andere Möglichkeiten eingibt.
    Denn auch in UK hat der Zoll dieses Paket nicht zu Gesicht bekommen.

    Der Zoll in UK oder sonstwo hat so keine Kontrolle über seine Einfuhren, weil die chinesischen Händler kreativ mit der Materie umgehen.
    Die Steuern für dieses Paket werden so dem jeweiligen EU-Land entzogen.

    Die Schuld liegt hier nicht beim Besteller / Einführer, denn auch der Zoll in UK oder sonstwo schert sich nicht um Sendungen unter EUR 30,-- und leitet sie weiter.
    Bei der Masse von Kleinsendungen auch kein Wunder. Da hilft auch kein Bitten und Betteln der anderen EU-Länder oder der EU-Kommission.

    Sicherlich wird der deutsche Zoll mitunter ein paar Sendungen kontrollieren können, aber bei dem Prozedere hat auch der Zoll normalerweise keine Chance.

    So kommen auch die unterschiedlichen Lieferzeiten zu Stande.

    Wie sich das weiter entwickelt, da habe ich keine Glaskugel zur Hand ... jedenfalls ist UK spätestens ab Ende März 2019 kein EU-Mitglied mehr und die Chinesen werden
    schon Snooker benötigen, um hier zukünftig den EU-Markt bedienen zu können.

    Ansonsten wird das Prozedere wie bei den anderen Ländern gelten, darauf müssen wir uns gefasst machen.

    Bei diesem Beispiel entgeht dem deutschen Zoll nichts, denn bei Warenwerten unter EUR 22,-- wird keine EUSt erhoben.
    Bei EUR 24,91 wären es EUR 4,73 EUSt (19 %) - Aber auch hier erhebt der deutsche Zoll keine EUSt, da unter 5 EUR.

    Das heißt: Bis zu einem Warenwert incl. Versandkosten von 26,30 EUR spielt sich da nichts ab.

    Bitte haltet Euch auf dem Laufenden und informiert Euch selbstständig.

    Ich kenne nicht jeden Händler aus China und bestelle nur bei dreien relativ selten, höchstens bei Flash-Sales oder anderen Aktionen.

    Einige von uns bestellen als Händler, da werde ich nichts weiter zu sagen, denn es ist schlicht und ergreifend strafbar.












    Bin Dampfer seit 08.06.2015 - 16:10 Uhr

    Dampfende Grüße :winke:

    vAPORIx :dampf:

    Expect the unexpected - and when it happens, keep a stiff upper lip