ESSentielles: Meine Erfahrungen mit ESS.

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  • Auf Anregung einiger "neuen" Dampfer und weil mir schon seit einiger Zeit eine Idee im Hinterkopf rumtrampelt, habe ich mich entschlossen mein knappes Wissen über ESS-Wicklungen hier zu offenbaren ;)

    Eins muss ich aber vorher klarstellen: ESS-Wicklungen halten wirklich lange und daher ist die Zahl der von mir erstellten ESS-Wicklungen eventuell noch einstellig!
    Aber meine erste funktionierende ESS-Wicklung klappte schon beim zweiten Mal und es war eine U-Wick für den Kayfun Mini, welche noch immer drauf ist!

    Nach der "Anleitung" (Teil 1, ESSperten können diese getrost überspringen) habe ich ein Paar Bilder mit einer IR-Kamera aufgenommen erstens um zu sehen,
    wie es mit den Temperaturen in der Wicklung aussieht (Temperatur geregelte ATs sind ja jetzt der letzte Schrei) und um einen Vergleich zwischen Watte vs. ESS Wicklungen zu stellen.
    Teil 1: die "Anleitung"

    WARNUNG: Diese Anleitung ist hauptsächlich für „ESS Anfänger“. Damit meine ich Personen die schon eine fundierte Erfahrung im Dampfen, Selbstwickeln und alles andere was dazu gehört haben.

    Allgemeine Dampfer-Anfänger sollten diese Anleitung nur als allgemeine Weiterbildung zu diesem Thema nutzen und vom Versuch solch einer Wicklung selber zu realisieren Abstand nehmen!


    ESS-Material:

    Ich habe ca. vor einem Jahr einen A4-Bogen ESS 400er bestellt und über die Hälfte ist noch vorhanden. Welche „Maschengröße“ besser ist kann ich leider nicht sagen (s. vorherige Klarstellung).


    Schnitt:

    Soll die Wicklung gerade sein, z.B. für VDs wie der FeV, SQuape, etc. wird ein Rechteck der ca. 50 bis 60 mm lang und mindestens so breit wie der Durchmesser der VD-Kammer ist geschnitten. Man kann auch breiter schneiden und später kürzen wenn in eurer Tool-Box ein guter Seitenschneider oder Schere scharf darauf ist, eingesetzt zu werden! Der Schnitt wird parallel zu der “Webrichtungen“ (also zu den Bogenränder) gemacht.

    Falls Ihr es mit Verdampfer á la Kaifun versuchen wollt, dann muss eine U-Wick her. Hierfür wird dann erstens die Breite etwas länger als die geplante U-Länge gewählt und zweitens, muss das Rechteck 45° diagonal zur Webrichtung geschnitten werden damit es biegsam wird. Am besten nimmt man ein Winkellineal und zeichnet sich eine Referenzlinie auf dem Bogen.


    ESS rollen:

    Das geschnittene ESS-Rechteck wird jetzt z.B. auf einem Zahnstocher oder aufgebogene Büroklammer aufgerollt, danach wird der Zahnstocher oder die Klammer rausgezogen.

    Mit den Fingern wird dann in derselben Richtung weiter gerollt bis die Rolle nicht mehr enger geht. Die Rolle wird wieder etwas zurückfedern aber das macht nichts. Damit ist die gerade Rolle jetzt fertig zum Oxidieren.

    Für die U-Wick geht es dann noch mit einen Trick weiter: Ist die Rolle fertig gerollt, zieht man durch die Mitte des entstandenen „Rohrs“ ein mittelstarkes Wickeldraht, biegt das Ganze in U-Form und verdrillt dann die herausschauenden Enden des Wickeldrahts damit die U-Form nicht wieder Aufspringt (s. Bild unten)




    Oxidieren:

    Zum Oxidieren gibt es verschiedene Methoden. Ich erwähne hier nur Zwei.

    Mit dem Gasbrenner das Röllchen bis zum Rotglühen erhitzen und danach schnell in Wasser, Destilliertes Wasser oder Wodka „abschrecken“. Dies kann man 2 oder 3-mal wiederholen aber vorher immer das Wasser/Wodka im Röllchen auf einer Papierserviette/Küchentuch trockensaugen. Zum halten kann entweder eine Pinzette oder eine Büroklammer benutzt werden.

    Die zweite Variante ist, das Röllchen z.B. auf einem Zahnstocher aufspießen, mit Liquid oder Alkohol benetzen und dieses senkrecht-haltend oben anzünden und wie eine Kerze runter brennen lassen. Oberhalb der Flamme kann man dann sehen wie das Röllchen rot glüht (s. Bild unten). Danach (erst abkühlen lassen!) wird das Röllchen am anderen Ende aufgespießt und die Prozedur wiederholt.



    Es gibt auch die Möglichkeit direkt mit dem AT zu Oxidieren, aber ich persönlich kann davor nur abraten!

    Für die U-Wick wird das gleiche gemacht, wobei die Methode mit dem Gasbrenner hier die bessere ist und man kann das ganze am verdrillten Draht halten.
    Die Rolle/U-Wick sollte danach dunkelgrau bis schwarz und matt aussehen (s. nächstes Bild)




    Nachrollen:

    Die Oxidierte Rolle wird jetzt nochmal kräftig mit den Fingern in dessen Rollrichtung gerollt damit sie wieder enger wird.
    Auch die U-Wick wird nachgerollt. Einfach das verdrillte Draht schneiden und rausziehen und ebenfalls in Rollrichtung enger rollen. Keine Angst das „U“ kann während des Rollens einfach ausgespreizt werden und sollte danach fast in seine „U“rsprungsform zurückfedern. Man kann auch nach dem Nachrollen das „U“ einfach wieder zusammendrücken.

    Am Ende sollte die Rolle so um die 3mm Durchmesser haben, ansonsten kann etwas abgerollt und abgeschnitten werden. In diesem Fall sollte nochmal Oxidiert werden da die Schnittkannte wieder „blank“ ist. In der Mitte der Rolle darf ruhig noch ein „Tunnel“ von bis zu ca. 1mm bestehen bleiben, das ist kein Problem.


    Wickeln:

    Als Wickeldraht für die gerade ESS-Rolle bevorzuge ich Flachdraht (ich nutze 0,6 x 0,08) und mach 4 oder 5 Windungen welche bei mir ca. 1,1 bzw. 1,4 Ohm haben.
    Für mich hat Flachdraht zwei wesentliche Vorteile: Er bietet mehr Oberfläche im Verhältnis zum Querschnitt (also auch pro Ohm) und ist stabiler (aber auch beim Wickeln widerspenstiger) als Runddraht. Damit kann man später das ESS-Röllchen auch mal raus und reinschieben, z.B. um es zu säubern oder mal auf Watte umzusteigen ohne neu Wickeln zu müssen.

    Gewickelt wird ganz normal wie bei Watte oder GF. Ist die Wicklung fertig und aufgeschraubt sollte das Röllchen noch etwas locker und verschiebbar sein. Sollte sie zu Locker sein, kann man mit einem Zahnstocher von beiden Seiten in den Tunnel etwas gegen der Rollrichtung „bohren“ damit das Röllchen sich etwas aufspannt. Es darf auf jedem Fall nicht einfach rausfallen.

    Eventuell muss das Röllchen noch abgeschnitten werden damit es im VD reinpasst. Hier muss nicht nochmal nachoxidiert werden. Nur die beim Schneiden plattgedrückten Enden sollten wider rund gedrückt werden.

    Die U-Wick muss erst Maßgeschneidert werden. Dafür wird sie auf dem VD (gilt hauptsächlich für Kayfuns) so positioniert wie sie am Ende liegen soll und die überstehenden Enden werden so abgeschnitten bis diese auf dem Boden des VDs, da wo die Liquidkanäle liegen, gerade aufsetzen. Die ev. plattgedrückten Enden wieder rund drücken.

    Die U-Wick wird vorzugsweise mit Runddraht nach eigenem Geschmack gewickelt. Danach wird diese angeschraubt und dann muss geprüft werden ob alles richtig passt. Hier kann es vorkommen dass es einige Versuche benötigt bis man die richtige „Trimmung“ gefunden hat. Hier noch ein altes Bild meiner ersten U-Wick:




    Testen der Wicklung:

    Die Wicklung kann jetzt mit dem Ohmmeter auf Kurzschluss geprüft werden. Sollte ein Kurzschluss vorhanden sein, sollte dieser beim leichten schieben oder drehen des ESS-Röllchens kommen und gehen. Einfach probieren bis es weg ist.

    Besteht der Kurzschluss ständig oder ist dieser nur schwer zu beheben, war entweder die Oxidation nicht ausreichend oder die Wicklung sitzt viel zu Straff.
    Ist das eventuelle Problem behoben, kann es auf dem geregelten AT weiter gehen. Hier kann mal kurz gefeuert werden um zu Prüfen ob z.B. dieser keine Kurzschlussmeldung bringt. Ist dies nicht der Fall, kann dann trocken gefeuert werden, um, wie bei allen sonstigen Wicklungen, das Aufglühen zu prüfen.

    Bei mechanischen AT’s kann ein Kurzschluss üblicherweise durch in/auf der Wicklung hell aufglühende „Hotspots“ erkannt werden, kann aber auch unerkannt bleiben!
    Hier ist Vorsicht geboten und ich rate davon ab, diese ATs zum Erstbefeuern bzw. für „auf Kurzschluss-Testen“ von ESS-Wicklungen einzusetzen. Es können dadurch Schäden an Akkus, AT, Verdampfer entstehen oder noch schlimmeres passieren was ja dann in den Medien mit Übereifer verbreitet wird!


    Kokeln:

    Ist eine ESS-Wicklung einmal funktionsfähig, kann es nur noch Probleme mit der Liquid-Zufuhr geben. Es ist darauf zu achten dass diese immer Kontakt zum Liquid-Kanal/Docht haben muss.

    Beim FeV ist sollte nach jedem abziehen der VD-Kammer die ESS-Rolle nochmal nach oben gezupft werden und nach dem Aufstecken die Docht sanft nach unten gedrückt werden.


    Dry Burn:

    Um die Verkrustungen zu entfernen kann man die ESS-Wicklung entweder mit dem ESS-Röllchen und erhöhter Leistung anglühen und danach mit Wasser ausspülen oder das ESS-Röllchen rausziehen und nur die Wicklung anglühen. Das entnommene Röllchen kann dann mit Wasser gespült werden.

    Sollte das ESS-Röllchen stark belegt sein, kann es sogar aufgerollt, gespült und dann wieder aufgerollt werden.

    Danach wird das Röllchen wieder in die Wicklung (in der Rollrichtung drehend) vorsichtig wieder „eingedreht“. Sitz die Rolle zu locker, wird sie mit dem Zahnstocher an den Enden wieder „aufgebohrt“.

    Nach diesem Spülvorgang nicht vergessen, das Wasser aus der Wicklung mit einem Papiertuch wieder trocken zu saugen, prüfen ob alles wieder richtig sitzt und fertig!


    ESS-Dochte mit Watteseele für die FeVs:

    Da dieses Thema schon ofters angesprochen wurde, hier nochmal diese Alternative die Liquid-Dochte im FeV zu bauen. Wer Schwierigkeiten mit der Baumwoll-Schnur oder reine ESS-Röllchen hat, kann diese mal ausprobieren.

    Aus ESS werden 2 Rechtecke mit ca. 8 x 15mm geschnitten, auf einen Zahnstocher gerollt, wieder geöffnet und ein Wattestrang eingelegt. Danach (wie beim Zigarettendrehen) diese wieder einrollen bis diese in den Liquidkanäle passen. Jetzt werden an eine der Enden die überstehenden Wattespitzen bis auf ca. 1mm abgeschnitten (s. Bild unten) und mit diesem gekürzten Ende vorausgehend im Kanal gesteckt. Danach die Kappe auf dem gewickelten VD aufsetzen, die Dochte sanft nach unten drücken und den überstehenden Rest mit dem Seitenschneider bis auf ca. einen halben bis 1mm kürzen. Die plattgedrückten Schnittkanten müssen danach mit einer Pinzette wieder rundgeformt werden!





    Teil 2: Watte vs. ESS

    Ohne hier eine Diskussion anfeuern zu wollen, möchte ich meine persönlichen Erfahrungen und Einschätzungen zu den Vor- und Nachteile von Watte und ESS weitergeben.

    Ich habe mit einer IR-Kamera einige Bilder von einer Watte und ESS-Wicklung aufgenommen um einige meiner Theorien zu überprüfen.

    Die „Testumgebung“ besteht aus:
    • Eine NEC Thermo Shot F-30 Infrarot-Kamera
    • Einen FeV-VS auf einem PipeLine-Slim AT mit einer NiCr Wicklung aus 0,6 x 0,08mm Flachdraht, 4 Windungen, 1,1 Ohm
    • Ein Wattestrang aus Muji-Watte
    • Ein ESS-Röllchen ca. 3mm Durchmesser, Mesh 400
    • Reines VG mit 9mg NIK und ca. 10% Wodka verdünnt, ohne Aroma.
    Das ESS-Röllchen und die Wicklung sind schon seit ein paar Monaten bei mir im Einsatz, die Liquidangaben sind nur zur Vollständigkeit.


    Nach einem Dry-Burn habe ich die Watte in der Wicklung eingefädelt, gekürzt, und mit ca. 3 -4 Tropfen Liquid benetzt. Nach deren Fotoshooting wurde diese entfernt (die Watte war schon etwas gebräunt) und gleiches mit dem ESS-Röllchen gemacht (s. Bilder unten)






    Die Thermobilder wurden wie folgt aufgenommen:


    Offenen Verdampfer vor die IR-Kamera halten, Feuern, ca. 3 Sekunden zählen, Bild schießen, ca. 10 Sekunden warten und das ganze wiederholen bis ein Hot-Spot sichtbar wurde, der über den maximalen Messbereich der Kamera (350°C) liegt.


    Dieser Hotspot verkündet dann das Trockenlaufen der Wicklung oder anders ausgedrückt: Es fängt an zu kokeln.
    Nach dieser „Kokel-Aufnahme“ habe ich dann ca. 10 Sekunden gezählt und noch ein Bild mit der noch enthaltenen „Restwärme“ geschossen. Die besten Bilder habe ich dann jeweils in einer Serie zusammen gefasst. Diese sind zwar nicht immer im Zeitraster gleich aber bei fast identische Bilder habe ich die mit bessere Qualität genommen.


    Als erstes kann man in den oberen Bildern erkennen das die Wärmeverteilung beim ESS-Röllchen besser als bei der Watte ist, wenn man sich zum Beispiel den blauen Rand anschaut.


    Die zweite Beobachtung ist, dass beim wiederholten Feuern, die maximale Temperatur bei der Watte schneller ansteigt als beim ESS. Das hat für beide mit dem Ausdampfen (austrocknen) des Liquids zu tun, aber bei der Wattekommt deren thermischen isolierenden Eigenschaft noch dazu. Daher ist hier auch der „Kokelpunkt“ viel ausgeprägter (im 5. Bild der Serie, Temperatur=OVER) was man dann auch deutlich am Geschmack merkt Das ganze wird dann noch krasser wenn dies als MC gewickelt wird.


    Im Letzten Bild der Serie ist dieser Isoliereffekt ebenfalls deutlich zu sehen, währen an der Watte noch immer der „Brenn-Punkt“ heißer ist, hat sich beim ESS die Temperatur verteilt.


    Und, Was soll uns das ganze sagen?


    Eigentlich nicht viel. Außer dass ESS etwas Temperaturstabiler bzw. gleichmäßiger als Watte arbeitet, solange der richtige Liquidfluss vorhanden ist.
    Dies entspricht auch einer meiner Behauptung: Solange der Liquidnachfluss stimmt und die Leistung dementsprechend angepasst ist, bringt eine Temperatur-Regelung kaum Vorteile. Die Temperatur steigt und bleibt üblicherweise nah am Siedepunkt des eingesetzten Liquids. Erst beim nachlassen des Liquidflusses hat diese Art der Regelung einen Vorteil: Das Kokeln wird verhindert bzw. minimiert.



    Mein Fazit:


    Über ESS und Watte sollte nach meiner Meinung nicht viel diskutiert werden können, denn beide sind für mich die besten Verdampferherzen.
    Während Watte in fast jedem VD einsetzbar ist, macht es für ESS keinen Sinn, diesen in Tröpfler einzusetzen es sei denn, dass die Liquid-Speicherung mithilfe von Watte realisiert wird.


    Im Geschmack ist nach meinem Empfinden, ESS reiner und konstanter. Bei Watte ist vor allem am Anfang der Geschmack irgendwie „dicker“ bzw. „cremiger“. Leider lässt diese Eigenschaft aber ziemlich schnell nach und man würde am liebsten täglich den Docht wechseln (ich zumindest).


    ESS halt lange, sehr lange, ein Dry-Burn ist schnell und einfach gemacht und weiter geht’s.


    Am schönsten finde ich bei ESS, dass ich bei Lust und Laune schnell auf Watte umrüsten kann und genau so schnell auch wieder zurück vorausgesetzt, es ist ein VD der mit einem geraden Röllchen auch am Liquid rankommt wie der FeV oder SQuape.

    Bilder
    • T1_Leer.jpg
    • T2_Watte_Trocken.jpg
    • T3_Watte_Nass.jpg
    • T4_ESS_Trocken.jpg
    • T5_ESS_Nass.jpg

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